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Kosmetik im Test – wie unabhängige Prüfungen durchgeführt werden

  • Autorenbild: Redaktion
    Redaktion
  • 10. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Aug.

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Kosmetikprodukte begleiten uns täglich: Cremes, Lotionen, Sonnenschutz, Deodorants oder Make-up. Wir vertrauen darauf, dass sie sicher sind, gut wirken und die Haut nicht schädigen. Doch woher wissen Verbraucher eigentlich, ob ein Produkt hält, was es verspricht? Hier kommen unabhängige Tests ins Spiel. Spezialisierte Prüfinstitute und Verbraucherorganisationen nehmen regelmäßig Kosmetik unter die Lupe – mit Laboranalysen, Hautverträglichkeitstests und Praxisprüfungen. Dieser Artikel zeigt, wie solche Tests ablaufen, welche Kriterien bewertet werden und warum unabhängige Prüfungen für Verbraucher so wichtig sind.


Warum unabhängige Tests notwendig sind

Kosmetikhersteller sind verpflichtet, ihre Produkte vor der Markteinführung auf Sicherheit prüfen zu lassen. Doch diese Prüfungen erfolgen in der Regel im Auftrag der Firmen selbst. Unabhängige Tests schaffen eine zusätzliche Kontrollinstanz – frei von wirtschaftlichen Interessen und mit klar definierten wissenschaftlichen Kriterien.

Für Verbraucher bedeutet das: Sie können sich auf neutrale Ergebnisse verlassen, die über das Marketingversprechen hinausgehen. Oft zeigen solche Tests Schwachstellen auf, die Herstellern unangenehm sind, aber für Konsumenten relevant.


Kriterien bei Kosmetiktests

Ein seriöser Kosmetiktest bewertet Produkte in mehreren Kategorien:

  • Inhaltsstoffe: Gibt es problematische Substanzen, die allergen, hormonell wirksam oder umstritten sind?

  • Wirksamkeit: Hält die Creme, was sie verspricht (z. B. Feuchtigkeit, Sonnenschutz)?

  • Hautverträglichkeit: Treten bei Probanden Irritationen oder allergische Reaktionen auf?

  • Sensorik: Wie fühlt sich die Creme auf der Haut an, wie ist der Geruch, die Konsistenz?

  • Deklaration & Transparenz: Sind alle Inhaltsstoffe korrekt angegeben, gibt es irreführende Werbeaussagen?

  • Umweltaspekte: Enthält das Produkt Mikroplastik, schwer abbaubare Substanzen oder problematische Verpackungen?

Diese Kriterien ergeben ein umfassendes Bild und ermöglichen den direkten Vergleich zwischen verschiedenen Produkten.


Laboranalysen – die Basis jedes Tests

Im Labor wird die Zusammensetzung der Produkte genau untersucht. Mithilfe moderner Methoden wie Gaschromatographie oder Massenspektrometrie lassen sich selbst kleinste Mengen problematischer Stoffe nachweisen. Typische Fragestellungen:

  • Enthält die Creme verbotene oder eingeschränkt zugelassene Inhaltsstoffe?

  • Ist die Konzentration von Konservierungsstoffen innerhalb der gesetzlichen Grenzen?

  • Gibt es Verunreinigungen, etwa durch Mineralölrückstände (MOSH/MOAH)?

Solche Analysen liefern objektive Daten, die Grundlage für jede weitere Bewertung sind.


Hautverträglichkeitstests

Neben der chemischen Analyse zählt die praktische Anwendung. Hier werden Produkte an freiwilligen Probanden getestet. Untersucht wird, ob Hautreizungen auftreten oder ob die Creme als angenehm empfunden wird.

Dabei gibt es verschiedene Verfahren:

  • Epikutantests: kleine Mengen der Creme werden auf die Haut aufgetragen, um allergische Reaktionen zu prüfen.

  • Anwendungsstudien: Probanden nutzen das Produkt über einen längeren Zeitraum im Alltag.

Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, ob ein Produkt für empfindliche Haut geeignet ist oder bestimmte Risiken birgt.


Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen

Viele Cremes werben mit Versprechen wie „24h-Feuchtigkeit“ oder „Anti-Falten-Wirkung“. Unabhängige Tests überprüfen, ob diese Aussagen standhalten. Mit speziellen Messgeräten kann die Hautfeuchtigkeit vor und nach der Anwendung gemessen werden. Auch die Schutzwirkung von Sonnenschutzcremes (Lichtschutzfaktor) wird unter standardisierten Bedingungen geprüft.

Wichtig ist: Nicht jede Marketingaussage ist wissenschaftlich belegbar. Unabhängige Prüfungen helfen, realistische Erwartungen zu schaffen.


Vergleichende Tests

Besonders wertvoll sind Vergleichstests, bei denen mehrere Produkte einer Kategorie direkt gegenübergestellt werden. So zeigt sich, welche Creme wirklich überzeugt – und welche trotz hoher Preise schlechter abschneidet.

Dabei werden nicht nur bekannte Marken, sondern auch günstige Handelsmarken berücksichtigt. Oft zeigt sich, dass Preis nicht gleich Qualität bedeutet: Manche günstigen Produkte schneiden besser ab als teure Premiumcremes.


Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte

In den letzten Jahren ist ein weiterer Prüfpunkt hinzugekommen: die Umweltverträglichkeit. Testinstitute prüfen, ob Cremes Mikroplastik, schwer abbaubare Silikone oder problematische UV-Filter enthalten. Auch Verpackungskonzepte – etwa Nachfüllsysteme – fließen zunehmend in die Bewertung ein.

Das steigende Verbraucherinteresse an nachhaltiger Kosmetik sorgt dafür, dass Hersteller unter Druck stehen, ökologisch unbedenkliche Lösungen zu bieten.


Rolle der EU-Kosmetikverordnung

Alle Kosmetikprodukte in der EU unterliegen der Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. Hersteller müssen eine Sicherheitsbewertung vorlegen und Produkte im EU-Portal registrieren, bevor sie auf den Markt kommen. Unabhängige Tests ergänzen diese Pflichtprüfungen, indem sie kritisch prüfen, ob Firmen die Vorgaben tatsächlich einhalten – und ob die Praxis den Versprechen entspricht.


Transparenz und Verbraucherinformation

Unabhängige Testergebnisse sind nur dann wertvoll, wenn sie transparent kommuniziert werden. Deshalb veröffentlichen Institute ihre Kriterien, Prüfmethoden und Ergebnisse in verständlicher Form. Für Verbraucher ist das ein wichtiges Hilfsmittel, um sich im unübersichtlichen Kosmetikmarkt zu orientieren.


Grenzen unabhängiger Tests

So wichtig diese Prüfungen sind – auch sie haben Grenzen:

  • Ergebnisse gelten immer für die getestete Charge, spätere Produktionen können variieren.

  • Hautverträglichkeit ist individuell – was für viele funktioniert, kann bei Einzelpersonen Reizungen auslösen.

  • Nicht jeder beworbene Effekt (z. B. „Anti-Aging“) lässt sich klar messen.

Trotzdem bieten unabhängige Tests eine deutlich bessere Entscheidungsgrundlage als Herstellerangaben allein.


Fazit

Kosmetik im Test zeigt, wie wichtig neutrale Prüfungen für den Verbraucherschutz sind. Von Laboranalysen über Hautverträglichkeitstests bis zu Umweltaspekten liefern sie ein umfassendes Bild, das über Werbung hinausgeht.

Für Verbraucher bedeutet das: Wer sich an unabhängigen Testergebnissen orientiert, kann Produkte besser vergleichen und Risiken vermeiden. In einer Branche, in der Marketingversprechen oft lauter sind als Fakten, schaffen unabhängige Tests die nötige Klarheit – und damit Vertrauen.

 
 

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