Aluminium, Mineralöl & Co. – Inhaltsstoffe, die zunehmend verschwinden
- Redaktion

- 10. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Aug.
Aluminium, Mineralöl und Parabene – viele dieser Begriffe tauchen seit Jahren immer wieder in Debatten rund um Kosmetikprodukte auf. Was früher als Standard galt, wird heute kritisch hinterfragt. Während diese Inhaltsstoffe lange Zeit für bestimmte Funktionen wie Haltbarkeit, Konsistenz oder Schutz in Hautcremes eingesetzt wurden, zeigen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und regulatorische Veränderungen ein anderes Bild. Viele Hersteller verzichten mittlerweile freiwillig auf umstrittene Zusätze oder werden durch gesetzliche Vorgaben dazu verpflichtet. Der Markt ist im Wandel – und Verbraucher stellen sich zunehmend die Frage: Welche Inhaltsstoffe verschwinden eigentlich, und warum?

Aluminium in Deodorants – vom bewährten Wirkstoff zum Problemfall
Aluminiumsalze gehören zu den bekanntesten Inhaltsstoffen, die derzeit verstärkt in der Kritik stehen. Jahrzehntelang galten sie als wirksamste Substanz, um Schweißbildung zu reduzieren. Die Salze verengen die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen und verhindern so, dass Flüssigkeit an die Hautoberfläche gelangt.
Kritisch wird es, seit Studien einen möglichen Zusammenhang zwischen Aluminiumaufnahme und gesundheitlichen Risiken wie Brustkrebs oder neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer diskutieren. Zwar konnte ein direkter, eindeutiger Beweis bisher nicht erbracht werden, dennoch führte die öffentliche Debatte dazu, dass der Absatz aluminiumhaltiger Deos stark zurückgegangen ist.
Heute sind aluminiumfreie Deodorants in nahezu jeder Drogerie zu finden, und viele Verbraucher greifen bewusst zu Alternativen. Der Trend ist klar: Selbst ohne gesetzliches Verbot verschwinden Aluminiumverbindungen zunehmend aus dem Alltag.
Mineralölrückstände in Cremes und Salben
Mineralöle – häufig deklariert als Paraffinum Liquidum oder Petrolatum – waren lange fester Bestandteil vieler Cremes. Sie verleihen der Haut eine glatte Oberfläche und schließen Feuchtigkeit ein. Vor allem als preisgünstiger Ersatz für pflanzliche Öle waren sie für die Industrie attraktiv.
Problematisch sind allerdings Rückstände von Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH – Mineral Oil Saturated Hydrocarbons und MOAH – Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons). MOSH können sich im menschlichen Fettgewebe und in Organen anreichern, während MOAH potenziell krebserregende Eigenschaften zugeschrieben werden.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und verschiedene Verbraucherschutzorganisationen weisen seit Jahren auf diese Risiken hin. Viele Hersteller – insbesondere in der Naturkosmetik – verzichten daher inzwischen vollständig auf Mineralöle. Pflanzliche Alternativen wie Jojoba-, Mandel- oder Sheabutteröl haben sich etabliert und bieten eine gleichwertige Pflegewirkung, allerdings zu höheren Kosten.
Parabene und andere Konservierungsstoffe
Damit Cremes und Lotionen auch nach Wochen oder Monaten noch haltbar sind, enthalten sie Konservierungsmittel. Über viele Jahre waren Parabene die Standardlösung: kostengünstig, effektiv und stabil. Doch Studien zeigten, dass einige Vertreter dieser Stoffgruppe östrogenähnliche Wirkungen haben können. Besonders bei Methyl-, Ethyl-, Propyl- und Butylparaben besteht der Verdacht, dass sie den Hormonhaushalt beeinflussen können.
Als Reaktion darauf haben zahlreiche Hersteller ihre Formulierungen angepasst. Besonders in sensiblen Bereichen – wie Baby- oder Intimkosmetik – werden Parabene heute weitgehend vermieden. Stattdessen kommen alternative Konservierungssysteme zum Einsatz, etwa auf Basis von organischen Säuren oder Alkoholen.
Auch Formaldehydabspalter, die früher in Hautcremes als Konservierer genutzt wurden, sind heute nahezu vollständig vom Markt verschwunden. Der Grund: Formaldehyd gilt als krebserregend und kann zudem Allergien auslösen.
Mikroplastik in Kosmetikprodukten
Neben gesundheitlichen Aspekten spielt auch der Umweltschutz eine wachsende Rolle. Mikroplastikpartikel wurden lange Zeit in Peelings, Cremes und Lotionen eingesetzt, um Konsistenz zu verbessern oder als Schleifkörper zu dienen.
Das Problem: Diese Partikel sind biologisch nicht abbaubar und gelangen über das Abwasser in Flüsse und Meere. Dort reichern sie sich in der Umwelt an und können in die Nahrungskette gelangen.
Die Europäische Union hat mittlerweile ein schrittweises Verbot von Mikroplastik in Kosmetik beschlossen. Viele Hersteller haben bereits freiwillig reagiert und setzen auf natürliche Alternativen wie gemahlene Nussschalen, Zucker oder Salz.
Duftstoffe – unterschätzte Allergieauslöser
Auch Duftstoffe geraten zunehmend in die Diskussion. Sie verleihen Cremes einen angenehmen Geruch, sind aber gleichzeitig eine der häufigsten Ursachen für Kontaktallergien. Bestimmte Duftstoffe wie Lyral oder Lilial wurden aufgrund ihres allergenen Potenzials inzwischen komplett verboten. Andere müssen ab bestimmten Konzentrationen auf der Verpackung klar deklariert werden, damit empfindliche Verbraucher sie meiden können.
Regulatorische Veränderungen – die Rolle der EU-Kosmetikverordnung
Die Europäische Union reguliert Kosmetikprodukte streng. Die Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 schreibt vor, welche Inhaltsstoffe erlaubt sind und welche nicht. Jedes Jahr werden neue Stoffe auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse überprüft.
Verbotene Substanzen landen auf der sogenannten Negativliste, während für andere strenge Konzentrationsgrenzen gelten. Dies betrifft nicht nur Parabene oder Duftstoffe, sondern auch Farb- und UV-Filter. Der Trend ist eindeutig: Verbraucher sollen vor gesundheitlichen Risiken geschützt werden, gleichzeitig steigt die Transparenz.
Warum Hersteller reagieren – auch ohne Pflicht
Interessant ist, dass viele große Kosmetikmarken Inhaltsstoffe inzwischen streichen, bevor es gesetzlich vorgeschrieben ist. Der Druck der Verbraucher spielt dabei eine entscheidende Rolle. „Clean Beauty“ ist längst mehr als nur ein Trend: Produkte, die mit „frei von Mineralöl, Parabenen oder Mikroplastik“ werben, haben im Markt deutliche Vorteile.
Die Industrie steht also nicht nur unter regulatorischem Druck, sondern folgt auch den Erwartungen informierter Kunden.
Auswirkungen auf Verbraucher
Für Konsumenten bedeutet diese Entwicklung vor allem eins: mehr Sicherheit. Produkte enthalten heute weniger potenziell problematische Stoffe als noch vor 10 oder 15 Jahren. Gleichzeitig steigt die Vielfalt an Alternativen. Allerdings gibt es auch Herausforderungen:
Ersatzstoffe sind nicht immer besser erforscht.
Pflanzliche Alternativen können ebenfalls Allergien auslösen.
Preise für „cleanere“ Formulierungen liegen meist höher.
Verbraucher sollten deshalb weiterhin aufmerksam bleiben und die Inhaltsstofflisten (INCI) prüfen – gerade bei Importprodukten oder günstigen Angeboten aus unsicheren Online-Quellen.
Fazit
Die Kosmetikindustrie ist in Bewegung. Aluminium, Mineralöl, Parabene und Mikroplastik sind nur einige Beispiele für Inhaltsstoffe, die immer stärker verdrängt werden. Ursachen sind neue wissenschaftliche Erkenntnisse, strengere Gesetze und ein verändertes Verbraucherbewusstsein.
Während die Auswahl an alternativen Produkten wächst, bleibt es für Verbraucher wichtig, kritisch zu bleiben. Denn nicht jede „frei von“-Deklaration bedeutet automatisch, dass ein Produkt besser oder sicherer ist. Klar ist jedoch: Die Kosmetik der Zukunft wird transparenter, regulierter und insgesamt verträglicher sein als noch vor wenigen Jahren.