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Gefährliche Tattoo-Pigmente – was heute nicht mehr in Farben sein darf

  • Autorenbild: Redaktion
    Redaktion
  • 10. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Aug.

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Tätowierungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten von einer Subkultur hin zu einem gesellschaftlich breit akzeptierten Phänomen entwickelt. Mit der steigenden Nachfrage rückt jedoch auch die gesundheitliche Sicherheit stärker in den Fokus. Besonders Tattoo-Farben stehen seit einigen Jahren unter kritischer Beobachtung. Während in der Vergangenheit zahlreiche Pigmente und Zusatzstoffe ohne größere Bedenken verwendet wurden, zeigen neuere toxikologische Bewertungen, dass nicht alle Inhaltsstoffe unbedenklich sind. Auf europäischer Ebene regelt die REACH-Verordnung heute, welche Substanzen in Tattoo-Farben verboten oder streng limitiert sind. Ziel ist es, Verbraucher vor möglichen Allergien, Langzeitschäden oder krebserregenden Risiken zu schützen. Doch welche Stoffe sind besonders problematisch – und warum haben sie in modernen Rezepturen keinen Platz mehr?


Von der Tradition zur Regulierung

Frühe Tattoo-Pigmente enthielten häufig Schwermetalle oder synthetische Farbstoffe, die eine gute Deckkraft, hohe Farbintensität und lange Haltbarkeit versprachen. Erst durch systematische Untersuchungen zeigte sich, dass bestimmte Verbindungen das Immunsystem belasten, Allergien auslösen oder langfristig das Risiko für chronische Erkrankungen erhöhen können. Diese Erkenntnisse führten dazu, dass die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) im Rahmen der REACH-Verordnung spezifische Stoffgruppen untersuchte und deren Einsatz teilweise untersagte. Seit 2022 gelten daher EU-weit einheitliche Regeln, die für Tätowierende und Farbhersteller verbindlich sind.


Verbotene Pigmente: Blau und Grün im Fokus

Besondere Aufmerksamkeit erregten zwei häufig eingesetzte Farbpigmente: Pigment Blue 15:3 und Pigment Green 7. Diese Verbindungen galten lange als Standard, um kräftige Blautöne und Grüntöne zu erreichen. Neuere toxikologische Daten legen jedoch nahe, dass sie potenziell gesundheitsschädlich sein können. Ihr Einsatz wurde deshalb in der EU untersagt. Für viele Tätowierende bedeutete dies eine erhebliche Umstellung, da sich gerade bei bunten Tattoos die Farbpalette stark veränderte.


Schwermetalle und ihre Risiken

Ein weiterer problematischer Bereich sind Schwermetalle, die früher in zahlreichen Pigmenten enthalten waren. Dazu zählen unter anderem Blei, Cadmium, Nickel, Chrom und Kobalt. Diese Elemente können nicht nur akute Hautreaktionen hervorrufen, sondern sich auch langfristig im Körper anreichern. Viele von ihnen sind zudem als krebserregend oder erbgutverändernd eingestuft. Heute gelten für Schwermetalle strenge Grenzwerte oder komplette Verbote, sodass moderne Tattoo-Farben frei von solchen Belastungen sein müssen.


Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs)

Auch sogenannte PAKs spielen eine Rolle. Dabei handelt es sich um Nebenprodukte, die entweder direkt in Pigmenten vorkommen oder als Verunreinigungen auftreten können. PAKs sind seit langem als potenziell krebserregend bekannt. Deshalb schreibt die REACH-Verordnung extrem niedrige Grenzwerte vor, die in Tattoo-Farben eingehalten werden müssen.


Azo-Farbstoffe und aromatische Amine

Viele kräftige Rot-, Orange- oder Gelbtöne basierten traditionell auf Azo-Farbstoffen. Das Problem: Unter bestimmten Bedingungen können sich daraus aromatische Amine bilden – Substanzen, die mutagen oder krebserregend wirken. Auch sie sind heute entweder vollständig verboten oder nur noch in streng limitierten Mengen zulässig.


Zusatzstoffe und Konservierungsmittel

Neben den eigentlichen Farbpigmenten enthalten Tattoo-Tinten weitere Bestandteile wie Lösungsmittel, Bindemittel oder Konservierungsstoffe. Auch hier gab es in der Vergangenheit problematische Zusätze. Einige isothiazolinonhaltige Konservierungsmittel beispielsweise zählen zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien. Moderne Formulierungen müssen daher auf geprüfte und deutlich verträglichere Alternativen zurückgreifen.


Warum Vorsicht weiterhin nötig bleibt

Trotz der strengeren Vorschriften gelangen vereinzelt Produkte auf den Markt, die nicht alle Anforderungen erfüllen – insbesondere über internationale Online-Plattformen. Für Verbraucher bedeutet das, dass Transparenz und Herkunftsangaben entscheidend sind. Seriöse Studios und Hersteller geben Auskunft über die verwendeten Farben, ihre Zusammensetzung und die Einhaltung der REACH-Richtlinien.


Fazit

Die Regulierung von Tattoo-Farben ist in den letzten Jahren erheblich verschärft worden. Substanzen wie Pigment Blue 15:3, Pigment Green 7, Schwermetalle, PAKs oder aromatische Amine gelten als gesundheitlich riskant und haben in moderner Tinte nichts mehr verloren. Damit ist ein wichtiger Schritt für die Sicherheit von Tätowierten erreicht. Gleichzeitig bleibt es Aufgabe von Forschung, Behörden und Branche, die bestehenden Regeln weiterzuentwickeln und neue Erkenntnisse konsequent umzusetzen. Für Tattoo-Fans bedeutet das: Tattoos sind heute sicherer als je zuvor – solange Farben verwendet werden, die den europäischen Standards entsprechen.

 
 

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